ZU WENIG ZU VIEL

ZuWenigZu Viel_webZu Wenig Zu Viel nennt Reinhard Weiß seine Arbeiten, die derzeit in der Brauhausgalerie Freistadt zu sehen sind. Zu Wenig Zu Viel meint die Tatsache, dass man inmitten eines Geschehens leicht den Überblick verliert und das Pendel zwischen beiden Extremen schwankt. Überblick braucht den Blick von außen. Mit solchen Außenblicken konfrontiert uns Reinhard Weiß in seinen Arbeiten. Die Aktualität und Zeitlosigkeit ist hier evident. Zu Wenig Zu Viel ist auch Arbeitsprogramm für Reinhard Weiß. Ein ausgeprägter Drang zum Malen veranlasst ihn zur Motivsuche. Eine Verbindung aus Träumen, die teilweise sogar visionären Charakter aufweisen, und aktuellen Geschehnissen lösen bei ihm Betroffenheit aus und lassen ihn in eine Situation tief eintauchen, sich auch philosophisch damit auseinander zu setzen. Eine Szenerie baut sich dann vor seinem inneren Auge auf und drängt auf die Leinwand. Dabei ist es nicht einfach nur die Illustration, sondern die Erzählung von immer wiederkehrenden, sich immer wieder wiederholenden Phänomenen. Zum Beispiel beschäftigt sich das Titelbild ‚Null Grad‘ mit dem Phänomen der Zerstörung der eigenen Kultur, ausgelöst durch eine Demonstration in London, wo Asylanten in ihrem Viertel rebellierten und dabei ihre eigenen Läden und damit ihre eigene Lebensbasis zerstörten. Den Titel fand er beim slowenischen Sozialphilosophen Slavoj Žižek , für ihn den ‚Null Grad‘ einen absoluten Tiefstand bezeichnet. Das dargestellte Phänomen findet man bei den Aufständen z.B. in Ägypten, der Türkei, in der Ukraine genauso wieder wie in früheren Jahrhunderten auch. Ein Text von Berthold Brecht fügt eine weitere Ebene hinzu: ‘Die Erwägung daß ihr uns dann eben / Mit Gewehren und Kanonen droht / Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben / Mehr zu fürchten als den Tod.‘

Ist das Bild erst einmal fertig, braucht es Distanz. Reinhard Weiß stellt es für einige Zeit zur Seite, bis die Betroffenheit, in die er eingetaucht ist, abgeklungen ist. Erst dann, aus dieser Distanz, ist eine Beurteilung für ihn möglich. Dann kann es auch sein, dass das Bild eine zweite Geschichte erhält, die sich mit der ersten zu einem Rätsel verwebt und den Raum der Interpretation des Bildes erweitert. Der Raum spielt bei Reinhard Weiß‘ Bildern eine große Rolle. Es kommt wohl daher, dass er bei dem Bildhauer Fritz Wotruba in Wien studierte und daher das Skulpturale und Räumliche in seinen Bildern eine große Rolle spielt. Bei jeder dargestellten Figur denkt er bei der Gestaltung immer die nicht sichtbare Rückseite mit. Bei der Farbgebung erzeugen warme und kalte Farben die Raumwirkung. Kalte Farben drängen nach hinten, die warmen nach vorne. Auch der Titel ist ein wesentlicher Bestandteil eines Bildes. Dabei darf er für Reinhard Weiß nicht einfach nur das Bild beschreiben, sondern muss sich so weit vom Inhalt des Bildes entfernen, dass Raum für Interpretation entsteht. Eben diese Räumlichkeit in seinen verschiedenen Aspekten macht die Bilder so faszinierend. Man kann inhaltlich eintauchen, Rätsel aufzulösen versuchen, aber sich auch von der Komposition und der Farbgebung einfangen lassen und sich bei der Beurteilung des Zu Wenig Zu Viel der eigenen Betroffenheit stellen.

 

ZU WENIG – ZU VIEL
Reinhard Weiß
Malerei
Brauhausgalerie Freistadt
bis 27. September 2015 / Sa So Fei 13 – 18 h
www.brauhausgelerie.at

 

 

Radiosendung / Zu Wenig Zu Viel / cba.fro.at/295467

 

 

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