RAMASEDER

Josef_Ramaseder_SpeeddateIst es Fotografie, ist es Malerei ? – fragt man sich beim Betreten der Ausstellung von Josef Ramaseder im Kultur Zentrum im Meierhof in Schwertberg. Weder noch bzw. sowohl als auch – lautet das Urteil bei genauerer Betrachtung. Derart rätselhaft und vielschichtig sind seine Arbeiten. Motivisch zeigt er sowohl Gegenständliches als auch Abstraktes. Unkonventionelle Techniken zählen ebenso zu seinen Werkzeugen wie auch Naturprodukte. Es ist dieses weite Spektrum, das an den ausgestellten Arbeiten fasziniert.  An der linken Wand sieht man eine Serie von dunkel/hellen, violett/weißen Bildern. Abstrakte breite Pinselstriche, die bei genauerer Betrachtung feine Nuancen von Lichtstreifen, Punkten und Linien beinhalten. Auf den ersten Blick wirken sie wie Solarisationen. Wiederum genauer betrachtet weisen sie Strukturen wie bei einer Malerei auf. Es gibt jedoch keinerlei Farbpigmente auf diesen Bildern. Wachs wird auf wärmeempfindliches Fotoplot-Papier aufgetragen, durch Hitze schmilzt das Wachs teilweise und das Papier färbt sich violett. Diese Enkaustikarbeiten (griech. ‚eingebrannt‘) sind typisch für Josef Ramaseder, Feuer und Hitze kommen zum Einsatz. In der Serie ‚speed date‘, den grünen Bildern, die mit einer Nachtbildkamera aufgenommen und als Fotoplot auf Viskose übertragen wurden, wird Fotografie mit Enkaustik verbunden. Zigarettenrauch, der keiner ist, Eiswürfel, die keine sind, wurden auch hier enkaustisch erzeugt. Linienbilder entstehen mit Hilfe eines Bunsenbrenners, der durch eine technische Vorrichtung gleichmäßig über den wiederum mit Wachs vorbereiteten Untergrund geführt wird. Zu seinen neuesten Experimenten zählt die Arbeit mit Pilzsporen, die auf schwarzem Hintergrund wie gemalt scheinende ‚Geisterbilder‘ entstehen lassen. Dabei ist die Herausforderung die Fixierung dieser feinsten Partikel, da sie beim leichtesten Windhauch bereits zerstäuben. Die ausgestellten Arbeiten zeigen eindrucksvoll die Experimentierfreude Josef Ramaseders, Bilder unter Einsatz von unkonventionellen Mitteln und Materialien zu gestalten.

Als vielseitigen Künstler beschäftigt Josef Ramaseder nicht nur die bildhafte Kunst, auch Videos, Sprache, Performance, Schauspiel, Tanzchoreografie zählen zu seinen Arbeiten. Nach einem abgeschlossenen Studium der Medizin studierte er bei Oswald Oberhuber an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, war Gründungsmitglied des ‚Falter‘ und landete nach einem Romstipendium in New York, wo eine aufgeschlossene Kunstszene und ein Kreis namhafter Künstler,denen er sich anschloss, stark beeinflusste. Zahlreiche Ausstellungen im In-und Ausland zeigen seine breit gefächerte, genreübergreifende Vielseitigkeit.

JOSEF RAMASEDER / Ausstellung
‚Kulturzentrum im Meierhof‘ Schwertberg
8. Sept. bis 25. Okt. 2015 / Mo – Fr 13 – 17 Uhr

 

 

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