MENSCH ALS NAHRUNG

ZIM- 20151123-151043‚Wir stellen Tiere vor, die sich ausschließlich von Menschen ernähren. So etwas wurde noch nie gesehen, nie gehört, nie erzählt. Ein schwindelerregendes und wunderschönes Wagnis.‘

So wird die aktuelle Ausstellung in der neuen Galerie KULTURFORMEN in der Begleitbroschüre beschrieben. Und wahrlich, es sind wundersame Wesen, die es dort zu sehen gibt. Betrieben wird die Galerie vom Institut Hartheim und der Einrichtung Schön für besondere Menschen und sieht sich als Plattform für Kunst im Kontext mit Beeinträchtigungen. Die aktuelle Ausstellung wird vom Atelier dell’Errore aus Bergamo präsentiert. Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen zeichnen und malen Tiere aus einer imaginären Welt. Sie schaffen eine Art Meta-Zoologie und benennen ihre Schöpfungen mit menschlichen Namen, z.B. ‚Markus, das Reciontier oder ‚der Plavaternius der mich gegen Viktor schützt ‘,.. Es sind Schutztiere, die sie vor Verletzungen durch andere bewahren sollen. Luca Santiago Mora, ein Foto- und Videokünstler, arbeitet so mit den Kindern und Jugendlichen ihre Probleme auf: die Feinde der Kinder sind häufig ganz gewöhnliche Kinder, ohne bedeutsame Probleme, jedoch mit einem Hang zum Mobbing; Kinder, die ein wenig grausam sind, ganz ‚normal grausam‘, könnte man sagen. Es ist die Art von Grausamkeit, die in der internen Hierarchie von Schulen einfach hingenommen wird. Die Irrtum-Kinder (so nennen wir die Kinder, die zu uns ins Atelier kommen), fühlen sich von dieser ‚normalen‘ Grausamkeit eingekreist. Die Kinder wirken isoliert, umgrenzt von einem Graben der Einsamkeit. Um diesen Belagerungszustand aufzulösen, finden die Kinder im Atelier dell ‘Errore neue Formen und Möglichkeiten der Bewältigung, die Angst vor den Belagerern wir ihnen durch die sogenannten zoomorphischen Wesen genommen, die als mächtige bildhafte Darstellungen aus der inneren Tiefe auftauchen. Diese Meta-Zoologie ist mit realen, gefährlichen Tieren, wie Löwen oder Tiger, die oft verniedlicht werden können, nicht zu vergleichen. Es sind unversöhnliche Tiere, mit Fratzen und spitzen Stoßzähnen. Trotz ihrer furchterregenden Gestalt werden sie entweder aus Notwehr oder aus Schüchternheit zu Helden, tüchtig und gleichzeitig gerecht. In der Vorstellung der Kinder ist Gerechtigkeit wichtig. So wurde aus dem stereotypen Leitmotiv ‚Nahrung für den Menschen‘ der Titel der Ausstellung ‚Menschen als Nahrung‘ – ist doch gerecht, oder?

 

MENSCHEN ALS NAHRUNG/ Atelier dell ‚Errore
Galerie der KULTURFORMEN
Pfarrplatz 4, 4020 Linz
bis 30. Jänner 2016
Mo, Di, Do 10 – 14 Uhr
www.kulturformen.at

 

Ein gemütliches Café ist der Galerie angeschlossen.

 

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